Dr. Harald Böhmer kam 1960 zum ersten Mal als Lehrer für Chemie und Biologie an die Deutsche Schule Istanbul. Schon bald faszinierten ihn die farbenprächtigen antiken Teppiche in Istanbuls Museen, im Gegensatz zu den neuen, die im Bazar angeboten wurden.
Schnell fand er heraus, dass es an den Farben lag. Als er 1974 zum zweiten Mal als Lehrer nach Istanbul kam, beschloss er, den Ursprung der Farben antiker Teppiche zu erforschen. Mit der Methode der Dünnschicht-Chromatographie und mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft analysierte er in Zusammenarbeit mit türkischen Museen mehr als 200 antike Teppiche.
Die entdeckten Pflanzenfarben verglich er mit der regionalen Verbreitung der entsprechenden Pflanzen und konnte so die Herkunft vieler Teppiche genauer bestimmen. In einem zweiten Schritt wollte er nun die Färbeverfahren rekonstruieren. Doch zunächst lief 1979 sein Vertrag als Lehrer aus. Mit der finanziellen Unterstützung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und mit seinem türkischen Partner, der staatlichen Schule für angewandte Kunst (Marmara Universität), die ihn als Experten anstellten, war das DOBAG-Projekt geboren.
In mühseliger Kleinarbeit, mit viel Phantasie und in endlosen Versuchsreihen, gelang es Dr. Böhmer und seiner Frau Renate, die Färbeverfahren für alle wesentlichen Farben zu rekonstruieren. Mit der Gegend um Ayvacik fand man 1981 eine Region, in der es noch eine ungebrochene Knüpf- und Mustertradition gab. Nun war es besonders Frau Böhmers Aufgabe das Vertrauen der Knüpferinnen zu gewinnen, denen zu jener Zeit noch der direkte Kontakt mit fremden Männern verboten war.
Mit einfachen Rezepten - die wichtigste Maßeinheit war das türkische Teeglas - unterrichteten Böhmers die Dorfleute. Um die Teppiche zu vermarkten gründete man eine Kooperative.
Ebenfalls ideale Voraussetzungen fanden Böhmers 1982 in einer zweiten Region zwischen Bergama und Manisa. Hier im Yuntdag wurde die erste und bis heute einzige Frauen-Kooperative der Türkei gegründet. Dr. Böhmers Ziel war es, auch den Zwischenhandel auszuschalten, um die DOBAG-Knüpferinnen direkt am Gewinn ihrer Arbeit zu beteiligen. Deshalb wird nur für den Export gearbeitet.
Er sorgte außerdem für eine Bezahlung pro Knoten und eine strenge Qualitätskontrolle durch die Universität. Dr. Böhmer leitet und berät dieses international erfolgreiche Projekt seit mehr als 20 Jahren völlig ohne eigenes wirtschaftliches Interesse. Diese Uneigennützigkeit hat sicher auch zum großen Erfolg dieses Projekts beigetragen, denn diese DOBAG-Teppiche leben neben ihrer Schönheit wesentlich von der Glaubwürdigkeit ihrer Herstellung. Darüber hinaus ist Dr. Böhmer als Experte für Naturfarben weltweit anerkannt und gefragt.
Mein Name ist Alexander von Manteuffel.
Meine Frau war Musiklehrerin und stellvertretende Schulleiterin der Deutschen Schule Istanbul.
Wir haben mit unseren vier Kindern acht Jahre von 1991 bis 1999 in Istanbul gelebt. Das DOBAG-Projekt lernten wir bei den regelmäßig Ende November stattfindenden Ausstellungen in Istanbul kennen.
Es war keine Liebe auf den ersten Blick, denn zunächst erschienen uns die Teppiche zu bunt. Dennoch erwarben wir unseren ersten DOBAG-Teppich, weil uns die Idee und die Geschichte des Projekts überzeugten.
Durch mehrere Reisen in die Teppichdörfer der beiden Kooperativen lernten wir das Projekt sehr gut kennen und die herrlichen Naturfarben begeisterten uns immer mehr, so dass wir mittlerweile eine ganze Sammlung dieser wunderschönen Teppiche besitzen.
1999 hatte ich die Gelegenheit, ein Fernsehteam bei den Dreharbeiten in den Dörfern zu begleiten. Dr. Böhmer und ich waren uns einig , dass es traurig ist, dass dieses Projekt in vielen Ländern große Beachtung findet, nur in Deutschland kümmert sich niemand so richtig darum.
Das möchte ich nun mit dieser Homepage und möglichst vielen Ausstellungen ändern.